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Vom Handwerk zur Industrie
Lautlingen war von jeher ein Dorf mit starkem bäuerlichem Charakter. Die Landwirtschaft auf dem kargen Albboden wurde eifrig betrieben und hatte dadurch auch einen, wenn auch bescheidenen Erfolg zu verzeichnen. Immer wieder wurden die Bauern von Katastrophen wie Hagel, Überschwemmung oder auch große Dürre heimgesucht, und immer wieder belebten sie ihren Berufsstand neu.
Bei den Flächen, die zu bewirtschaften waren, handelte es sich jedoch zum Großteil um Berg- oder Hardtwiesen, die nur einmähdig sind. Diese sind in den letzten 200 Jahren zu einem großen Teil aufgeforstet worden. Im übrigen hielt man hier in Lautlingen bis in unsere Zeit an der Dreifelderwirtschaft mit den Hauptfrüchten Dinkel und Haber fest.

Erst das Zeitalter der Industrialisierung und die politischen Entscheidungen der EG brachten es fertig, dass nur noch ein Vollerwerbslandwirt in Lautlingen zu finden ist. Während es vor etlichen Jahren noch viele Nebenerwerbs- oder auch Feierabendbauern gab, gingen auch die Zahlen dieser sehr zurück. Vor über 100 Jahren konnte noch von einer großen Schafzucht (Höfe der Fam. von Stauffenberg) und Rinderzucht oder der Pferdehaltung gesprochen werden. Letztere ist heute fast verschwunden und wenn noch vorhanden, dann dient sie nur zum Zwecke der Freizeitgestaltung.

Die Gemeinde unterhielt früher auch eine Baumschule und einen Farrenstall (Gemeindebulle). Auch ein gemeindeeigener Ziegenbock und ein Eber wurden gehalten. Im Zeitalter der künstlichen Besamung war die Haltung eines "Farren" jedoch nicht mehr rentabel und so wurde der Stall von der Freiwilligen Feuerwehr in Eigenleistung zum heutigen Feuerwehrgerätehaus umgebaut.

Ein großer Teil unserer Markung (ca. 600 ha) besteht aus schönen Buchen- und Mischwäldern. Neben der Landwirtschaft fanden die Bauern aus Lautlingen ihr Auskommen als Waldarbeiter und als Arbeiter im Steinbruch.
Das Handwerk in Lautlingen war stets sehr vielfältig. Man muss schließlich auch annehmen, dass das Dorf dadurch in der Zeit des römischen Kastells weiter bestehen konnte, ohne in irgendeiner Art und Weise belästigt oder gar von der Besatzung zerstört zu werden. Es war sicher ganz nützlich, dass sich die Handwerker nicht innerhalb des Kastells, sondern etwas entfernt, im kleinen Lautlingen, ansiedelten.

Bauern und Handwerker in Lautlingen lebten bescheiden und manches Mal auch in ärmlichen Verhältnissen. Im Gegensatz zum heute maroden Sozialstaat griff damals noch die gegenseitige Verantwortung oder die örtliche Armenbehörde.

Zum Ende des 19. Jahrhundert erfolgte die Industriealisierung und der Fortschritt hielt Einzug. Ein interessantes Kapitel das hier nur in Grundzügen geschildert werden kann.
Bäuerliches Leben
Der Vermögensstand der Lautlinger war, so berichtet die Oberamtsbeschreibung 1880, ein kleinerer bis mittlerer. Große Reichtümer konnten mit den Dienstleistungen nicht angesammelt werden. Im selben Werk wird berichtet, dass die Handwerker wie Zimmerleute Maurer und Schuhmacher "nach außen arbeiten". Das heißt, dass damals schon eine Art von "Pendlern" in Lautlingen ansässig war. Anfang des 19. Jahrhunderts sind hier noch tätig : 10 Leinenweber,  2 Strumpf- und Baumwollweber, 10 Schneider und Zimmerleute und Maurer, 6 Schmiede und Schlosser, 4 Schreiner und Schuhmacher, 6 Glaser,  4 Wagner und Kübler, 2 Metzger und Bäcker 1 Hafner, 1 Korbmacher, 1 Barbier, 1 Erzgräber/wäscher. Später kamen dann noch die Berufsgruppen der Steinbrecher, Granatbohrer, der Mühlenbauer, der Holzsämerei usw. dazu.
Handwerk hat goldenen Boden
In Lautlingen befanden sich insgesamt drei Mühlen jede mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang, eine sogar mit Sägemühle und Hanfreibe. Als älteste Sicherheit die Herrschaftsmühle anzusehen. Sie bestand wahrscheinlich schon im Mittelalter. Aus der Kirchengeschichte geht hervor, dass die Mühle im 16 Jahrhundert als "untere Mühle" bezeichnet wurde und sich im Besitz eines alten Lautlinger Geschlechtes, der Familie Irslinger, befand. Diese Mühle lieferte im Jahre 1907 den ersten Strom für die Gemeinde. Beim großen Erdbeben im Jahre 1911 brannte sie nieder und  wurde als Elektrizitätswerk wieder aufgebaut.  Die Stromherstellung wurde bereits vor langen Jahren eingestellt. Das sog. "Tiroler Wehr", das die notwendige Wasserkraft lieferte, steht heute unter Denkmalschutz.

Die zweite Mühle, die sog. untere Mühle ist ebenfalls sehr traditionsreich und wurde im 20. Jahrhundert als Sägewerk betrieben. Nach einem Großbrand am 23. Februar 1962 wurden die Betriebsgebäude nicht mehr am ursprünglichen platz, sondern ein neues Sägewerk ohne Mühlgänge jenseits der Eyach errichtet.

Sehr geschichtsträchtig ist auch die "Obermühle" beim Viadukt. Sie befindet sich seit 1825 im Familienbesitz der Familie Schemminger. Alois Schemminger, der sie damals von Joseph Stephan aus Irrendorf (heute Irndorf) kaufte, war herrschaftlicher Jäger und der Stammbaum der Familie kann bis in das Jahr 1585 zurückgeführt werden. Das Aussehen dieser Mühle wurde durch mehrere Umbauten stark verändert. Im Inneren wurde später ebenfalls oft modernisiert.

Heute ist keine der Mühlen mehr im Betrieb.

Früher standen noch zwei weitere Mühlen im Meßstetter Tal, beide sind abgegangen. An sie erinnert noch eine Gedenktafel.
Mühlen in Lautlingen
Wagnerei Betz
Mit dem Bau der Eisenbahn und dem Ende des 19. Jahrhunderts endete für Lautlingen auch die Romantik eines "verschlafenen" Bauerndorfes.

Wie in den anderen Orten der heutigen Stadt Albstadt beschränkten sich die aufkeimenden Betriebe jedoch auf die Herstellung von Wirkwaren d.h. dies war der Anfang der Trikotindustrie. Fast 100 Jahre früher wurde in Ebingen die Strumpfwirkerei von den ev. Hugenotten eingeführt, und so fand der erste hölzerne Strumpfstuhl den Weg über Calw nach Ebingen. So ergab sich auch eine neue Erwerbsmöglichkeit für die umliegenden Gemeinden. Die Zulieferer waren ebenso wichtig wie die Hersteller. In den Dörfern wurde so "im Lohn" Wolle gekämmt und gesponnen, das Garn dupliert und Strümpfe zusammengenäht.

Bereits 1836 stellte Johannes Maute zum Löwen (Ebingen) den ersten mechanischen Rundstuhl Deutschlands bei sich auf. Er verbesserte diesen außerdem entscheidend.

Aus dem Jahr 1861 besagt eine Statistik für den Zollverein folgendes: Lautlingen 6 gehende Webstühle, 5 Meister und 1 Lehrling. Damals war also schon damit begonnen worden, in den Bauernhäusern zum Nebenerwerb zu weben, nähen oder zu stricken. Seit dem Jahre 1887 wurde hier eine Filiale der Samet- (Samt-)fabrik Ott aus Ebingen betrieben und 1908 kam ein Filialbetrieb der Fa. Conrad Ammann, Tailfingen, dazu. In den 20er Jahren unseres Jahrhunderts eröffnete in der Bahnhofsstraße dann auch die Fa. Reinhold Haux, Ebingen, eine Filiale. Das Betriebsgebäude stand an der Stelle der  heutigen Fa. Röcker, Von-Stauffenberg-Straße. In den dreißiger Jahren dann folgte der Aufschwung der Gemeinde mit Betrieben die z.Teil heute noch bestehen.

Nachstehend die größten Firmen die über lange Zeit das industrielle Bild unseres Dorfes bestimmten bzw. heute noch bestimmen: Hermann Schempp gegr. 1924 (besteht nicht mehr als Trikothersteller), Otto Bitzer, gegr. 1928 (besteht nicht mehr), German Götz, Göla, gegründet 1930, in den 90er Jahren nach Meßstetten verlegt (kein produzierender Betrieb mehr), Gebrüder Mey, gegründet 1938, Huber-Masche, gegründet 1935 im damaligen Gasthaus "Rad", heute im ehemaligen Göla -Gebäude und Fa. Röcker, gegründet 1951 (besteht nicht mehr).

Weiters bestehen von jeher noch kleinere Strickereien und andere Lohnbetriebe. Seitdem auf Eschach das neue Gewerbegebiet entstanden ist, siedeln sich dort viele Firmen an, die in Ebingen keine Erweiterungsmöglichkeit mehr hatten. Auch von den Lautlinger Firmen, die in den letzten Jahren stark expandierten, wird dieses Gewerbegebiet gerne angenommen. Die hier ansässigen Betriebe sind in der Lage ca. 1000 Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.

Einer der größeren Arbeitgeber in den letzten Jahren sind die "Zollernalb-Werkstätten" der Lebenshilfe Zollernalb in denen Behinderte ebeson Abreit finden wir Nichtbehinderte.
Industriealisierung
Fa. Schempp am Bahnhof Lautlingen
Herrschaftsmühle vor 1911
Obere Mühle vor dem Umbau in den 1940er Jahren
Untere Mühle 1958
Vielen Lautlingern ist der Steinbruch Stumpp in der Nähe des Freizeitzentrums "Badkap" noch ein großer Begriff. Nachdem der Betrieb nicht mehr rentabel war, wurde das Gelände zur Vernichtung von Kriegsmunition genutzt und später zum Großteil wieder renaturiert. Für die Waldarbeiten wurden während des Krieges auch französische Kriegsgefangene angestellt.

Auch die Firma Clemens Müller betrieb früher einen kleinen Steinbruch und im Langen Tal existierte ein Tuffsteinbruch. Alle Brüche sind lange Zeit nicht mehr im Betrieb.
Steinbrüche
Steinbruch Müller
Steinbruch Stumpp
Eine Initiative zugunsten
der Schloss-Scheuer