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Ignaz Anton Demeter Erzbischof von Freiburg
Am 1. August des Jahres 1773 wurde dem
Augsburger Bäckermeisterehepaar Johann
Nepomuk Demeter und seiner Gattin Eleonore
geb. Bruggberger ein Sohn geboren, den sie
auf den Namen Ignaz Anton tauften. Er war der
Erstgeborene von insgesamt zwölf Kindern.
Von diesen verstarben aber fünf bereits in den
ersten Lebensjahren. Der Vater selbst war
gebürtig aus Höchstädt an der Donau.

Bereits in den Jugendjahren hatte sich Ignaz
der Musik verschrieben. Er spielte Geige, Cello
und auch das schwierige
Doppelrohrblattinstrument Fagott. Dies sollte
auch in späteren Jahren noch den Lautlingern
zugute kommen.

Sowohl als Musiker wie als Sänger war er an
der Domstiftskirche Augsburg tätig. In jene Zeit
fällt auch die Freundschaft zu Anton Böhm,
ebenfalls Kirchenmusiker in Augsburg.
Während Ignaz Augsburg später verlies,
gründete sein Freund Anton dort einen noch
heute bestehenden Musikverlag. Anton Böhm
widmete in späteren Jahren seinem
Jugendfreund Demeter eine in seinem Verlag
erschienene Messe. Hierbei handelt es sich
um eine Orchestermesse des Komponisten
Carl Bonaventura Witzka, der im
stauffenbergschen Jettingen 1768 geboren
wurde und seit 1792 ebenfalls als Marianer
(Sänger und Instrumentalist) an der
Domstiftskirche in Augsburg war.

Ignaz Anton Demeter besuchte in Augsburg die
Stadtschule und das von Benediktinern
geleitete Salvator-Gymnasium. Zur Musikliebe
kamen noch die Sprachen, hier brachte er es
bis zu einem Schulpreis. Dass er für diese
Auszeichnung die Gottesmutter Maria
flehentlich um Hilfe gebeten hatte und diese
Bitte erhört wurde, vergaß er sein ganzes
Leben nicht.

 
Ignaz Anton Demeter
Erzbischof von Freiburg
Seine Ausdauer und Begabung brachten Ignaz
Anton Demeter 1793 nach Dillingen an das
Bartholomäerinstitut.

An dieser altehrwürdigen Schule lernte er auch
den bedeutenden Theologen Johann Michael
Sailer kennen, der Demeter auch unterrichtete.
Die „Erweckungsbewegung" Sailers
beeindruckte den angehenden Theologen
nicht wenig. Ohne diese Bewegung hier
erschöpfend zu beschreiben, kann man sie
als eine Art Erscheinungsform des Pietismus
in der katholischen Kirche bezeichnen. Den
Anhängern dieser Grundidee die das
Evangelium in den Vordergrund stellte, darf
man aber beileibe keine „Sektiererei" oder
Separatismus unterstellen. Sie waren reinen
Herzens und wollten nur das Beste, wurden
aber dafür aus vielfältigen Gründen verfolgt,
wohl aber am wenigsten um des Glaubens
Willen..

Sailer war es aber auch, der in Demeter den
Hang zur Erziehung, zum Unterrichten,
entdeckte. Demeter´s ausgezeichnete
Studienzeugnisse beweisen, dass dies seine
Bestimmung war. Der damalige Lautlinger
Ortsherr, Baron Klemens Wenzeslaus Schenk
von Stauffenberg, aus der Wilflinger
Stammlinie (* 3.9.1777 Dillingen; + 2.7.1833
Rißtissen; seit 1791 im erblichen
Reichsgrafenstand), erkannte das Potential
des Seminaristen Demeter und bedachte ihn
mit dem sog. Tischtitel, den man heute mit
einem Stipendium vergleichen kann, der bis
zur Priesterweihe gültig war. Im Hause
Stauffenberg war man ebenfalls den Ideen der
Aufklärung verpflichtet und J.M. Sailer schrieb
vom Vater, Baron Damian Anton „die
Herrschaft ist reich, angesehen, fromm und an
mich glaubend". Die Söhne und damit auch
der Förderer unseres Studenten Demeter,
wurden vom Hofmeister Josef Mets erzogen,
den Sailer empfohlen hatte. So ist die
Förderung Demeter´s sicher den guten
Verbindungen seines Lehrers zum Dillinger
Hause Stauffenberg zu verdanken. Die
Hochschule verließ Ignaz Demeter nach
dreijährigem Studium mit guten Zeugnissen
und so wurde er am 10. August zum Priester
geweiht. Die Primiz durfte er in seiner
Heimatstadt Augsburg feiern.

In den folgenden Jahren verbrachte er seine
Zeit als Hilfspriester in Ried, das zur
stauffenbergschen Herrschaft Jettingen
gehörte. In dieser Gegend waren auch
Christoph von Schmid und Martin Boos tätig.
Auch sie waren Schüler Sailers und Anhänger
seiner Ideen. Dafür allerdings war die Zeit
nicht reif und gerade im ländlichen Raum
hegte man größtes Misstrauen gegen diese
Bewegung. Auf eine Anzeige des Jettinger
Dekans Johann Michael Steiner veranlasste
der Augsburger Generalvikar Nigg
Haussuchungen bei den verdächtigten
Priestern.

Bei der nächtlichen Aktion wurde beim
Hilfspriester Demeter auch dessen
Briefwechsel mit Johannes Evangelist Goßner
gefunden, der später der Bewegung
separatistische Züge verlieh und sowohl
Jahrgänger als auch Landsmann Demeter´s
war. Diesen Briefen verdanken wir den
Einblick in Ignaz Demeter´s Seelenleben. Ein
tief religiöser Mensch, der sich schließlich von
den Ansichten Goßner´s löste und sich auch
keiner evangelisch-protestantischer Tendenz
verdächtig machte.
Ignaz Anton Demeter war mit seinen 28 Jahren, so alt war er als er nach Lautlingen versetzt wurde, für seine Zeit ein junger, dynamischer Geistlicher, den man ruhig auch als Querdenker bezeichnen darf. Wer sich den Lebenslauf dieses jungen Mannes anschaut, der wird schnell merken, dass er in Lautlingen nicht nur einen sehr glücklichen Teil, sondern auch einen sehr produktiven Teil seines Lebens verbracht hat.
Geburt und Jugendzeit
Studium - erste Berufserfahrungen
Patronatsherr Klemens Schenk Reichsgraf
von Stauffenberg präsentierte Ignaz Anton
Demeter am 11. Februar 1802 als Pfarrer der
Kirchengemeinde Lautlingen/Margrethausen.
Hier trat er die Nachfolge von Pfarrer Fidelis
Lenz im März an und war somit der
ungerechtfertigten Verfolgung im Bistum
Augsburg entzogen. Zusammen mit ihm kam
seine dritte Schwester Maria Viktoria Josefa
nach Lautlingen um seinem Pfarrhaushalt
vorzustehen. Es gab in dieser kleinen
Gemeinde, im Jahre 1812 zählte man 623
Einwohner wovon 598 als ortsanwesend
galten, viel zu tun. Der Kirchenchor war
mindestens seit den 80 er Jahren des 18 Jh.
vorhanden, die Schule allerdings bestand nur
als Winterschule. In den Sommermonaten
wurde jede Hand für die bäuerliche Arbeit
gebraucht. Dies war ein Arbeitsfeld für
Demeter. Neben der doch sehr einfachen
Seelsorgearbeit unterrichtete er die Kinder
sieben Jahre lang in allen Fächern. Er konnte
hier seine eigenen Lehrmethoden
ausprobieren und erzielte dabei solche
Erfolge, dass sowohl jüngere als auch ältere
Lehrer nach Lautlingen kamen um sich zu
informieren. Ganz seinen Intentionen folgend
richtete er im Pfarrhaus Lautlingen ein kleines
Lehrerseminar ein, in dem er den
Lehrerkollegen seine Unterrichtsmethoden
erläuterte und sie weiter gab. Dies war die
erste private Lehrerbildungsstätte im
Königreich Württemberg. Auch pädagogische
Werke gab er in dieser Zeit heraus, so z.B. das
1804 bei Herder in Freiburg erschienene
Werk: „Hexen- und Gespenstergeschichten"
das später mehrmals neu aufgelegt wurde.
Daraus stammt auch das Zitat: „An Hexen und
Gespenster glaubt kein gescheiter Mann, nur
in verrückten Köpfen trifft man noch so was
an". Zusammenfassend muss noch erwähnt
werden, dass sich in Lautlingen die erste
Dorfschule im Königreich Württemberg
befand, an der ganzjährig Unterricht erteilt
wurde.

Bereits zu dieser Zeit gab es im Ort eine
„geringe Musikgesellschaft", die wohl bei
Hochzeit und anderen Anlässen mehr schlecht
als recht aufspielte, deren Geschichte aber bis
heute noch nicht fassbar ist. Dies konnte dem
aufstrebenden Pfarrer nicht genügen. Er
kannte die musikalischen Höhepunkte
geistlicher Musik aus seiner Jugendzeit am
Augsburger Dom und in Lautlingen wollte er
wenigstens ein kleines Abbild schaffen. Dass
sich hier im Ort dafür ein fruchtbarer Boden
fand zeigt sich schon daran, dass der
katholische Kirchenchor (Kirchensänger)
bereits existierte. Auch die Theatergesellschaft
spielte in Lautlingen schon und so war es
sicher normal, dass einige musikalisch
Begabte sich um Unterricht beim Pfarrer, der
ja selbst Musiker war, bemühten. Sein
erklärtes Ziel war die Hebung der
Kirchenmusik und zwar ausschließlich. Nach
zahlreichen Bitten berief er eine Versammlung
der Interessenten ein und legte diesen einen
bis ins Detail ausgearbeiteten Vertrag vor, der
heute noch im Pfarrarchiv Lautlingen lagert.
Wie wir später noch hören, war er der
„Vergnügungsmusik" gegenüber unerbittlich
und im Vertrag schreibt er auch vor, dass
diese Musik der liederlichen Spielleute nicht
ausgeübt werden dürfe, unter anderem auch
um den gewöhnlichen Musikanten ihr Brot
nicht zu schmälern. Es kann kein deutlicheres
Zeichen dafür geben, dass es in Lautlingen
also schon vorher Musikanten gab.

Die Pfarrhaushälterin und Schwester Maria
Josepha Viktoria ehelichte am 18. März 1805
den Oberlehrer Johann Pfister, den sie im
Lehrerseminar des Bruders kennen gelernt
hatte. Die Trauung fand in der Stiftskirche
Hechingen statt, dem Wohn- und Wirkungsort
des Bräutigams. Im Oktober des gleichen
Jahres besuchte Demeter´s Mutter die
schwangere Tochter im hohenzollerischen
Hechingen. Auf der Rückfahrt, Demeter war mit
dabei, stürzte die Kutsche bei Laufen in die
Hochwasserführende Eyach, verursacht durch
eine Unachtsamkeit des Kutschers. Während
Ignaz Demeter mit dem Schrecken davon kam,
ertrank die Mutter Eleonore und wurde erst am
anderen Tag gefunden. Er selbst hielt in
Lautlingen die Beerdigung ab, für die Mutter,
deren Tod einen herben Verlust für Ignaz
Demeter bedeutete.

Im weiteren Verlauf gründete Demeter in seiner
Pfarrgemeinde Lautlingen auch eine
Dorfbücherei, er kümmerte sich um die
Baumzucht und auch um die Gartenpflege.

Demeter war auch mit dabei, als die Lautlinger
1806 die Erbhuldigung auf den neuen
württembergischen König ableisten mussten.
Zusammen mit Schultheiß und Richtern und
weiteren Persönlichkeiten, sowie weiteren 85
Männern und 59 ledigen Burschen leistete er
den Huldigungseid in Geislingen vor
Kreishauptmann Prech von Ulm.
Lautlingen - Seelsorger + Vereinsgründer
Die Gründung der Musikgesellschaft - direkter
Vorläufer der Musikkapelle Frohsinn:

Um die Intention des Pfarrers
wiederzugeben, wollen wir den Vertrag hier
abdrucken, in dessen Vorrede Demeter selbst
berichtet:

Liebe Jünglinge! Schon lange äußert ihr den
heißen Wunsch, die Musik zu erlernen, mit der
Bemerkung, daß es euch darum zu thun sei,
nicht nur euch selbst dadurch neue Freuden
zu verschaffen, sondern auch den kirchlichen
Gottesdienst zu erhöhen und zu verschönern,
und den betenden Mitbruder zur herzlichen
Andacht zu stimmen,....." In diesem Vertrag,
der den Aufwand für Instrumente und
Musikalien regeln und die Mitglieder zum Eifer
anhalten soll, nennt Demeter 10
Hauptbedingungen:

1.) Blasende Instrumente sind für eine
ländliche Musik die tauglichsten und besten.
Vor der Hand 2 Klarinetts, 2 Waldhörner, ein
Picolo, und statt des Basses oder ziemlich
schweren und theuren Fagotts eine Principal
-Trompete. Aber, ich muß es euch sagen, diese
Instrumente werden unter 6 Louisd'or nicht zu
bekommen seyn, und euer Verdienst ist zu
schwach, als daß ihr sie aus eurem eigenen
Beute anschaffen könntet. Ich gebe euch
deswegen den Vorschlag, euch verbindlich zu
machen, so lang auf unserm Theater
fortzuspielen, bis der ganze Betrag von den
Einnahmsgeldern rein getilgt seyn wird. Dabey
hat ein jeder die stille Verbindlichkeit auf sich,
mit jeder Rolle, die ich ihm nach seiner
geprüften Fähigkeit anweisen werde etc.,
jederzeit zufrieden zu seyn, und seine Sache
so gut zu machen, daß sich die Kasse eine
gute Einnahme zu versprechen hat

2.) Damit aber die Theaterkasse kräftige
Beyträge liefern kann, müßtet ihr euch als
Mitglieder des Theaters ohne alles Interesse
damit begnügen, daß ihr mit einer
nachmittägigen, an einem aufgehobenen
Feyertage zu haltenden Erholung an Brod und
Wein, die sich nicht höher, als auf 5 fl. belaufen
darf, zufrieden seyd.

3.) Für den von mir zu erhaltenden Unterricht
müßet ihr a) wenn ihr einmal die nötige
Fertigkeit erlangt habt, auf mein Verlangen Vor-
und Nachmittags in der Kirche unentgeldlich
musicieren. Einstweilen

b) unentgeldlich bey dem Theater spielen.

c) Unentgeldlich, wenn ich einem guten
Freunde eine angenehme Unterhaltung
verschaffen will, auf mein Verlangen an jedem
mir beliebigen Tage, doch immer ohne
Abbruch eurer Berufsarbeiten, entweder in
meinem Hause oder auf freyem Felde blasen.

d) Euch hauptsächlich verbindlich machen, nie
aufzuspielen im Wirtshause weder bey
gemeinen noch bey Hochzeits-Tänzen. Theils
um mich dem Vorwurf Preis zu geben, als
wenn ich nur liederliche Spielleute gebildet
hätte, theils um den schon gewöhnlichen
Musikanten ihr Brod nicht zu schmälern. Sollte
die neue Musik von den Brautleuten in der
Kirche verlangt werden, so wird sie gegen
Erlegung eines kleinen Douceurs gern
gestattet

Müßet

e)allezeit gern und fertig zur Erlernung und
Uebung der Instrumente zu mir ins Pfarrhaus
kommen, und ohne gegründete Ursache und
Entschuldigung nie weg bleiben.

4.) Die Musik-Instrumente gehören zwar der
ganzen Gesellschaft, aber keinem einzelnen
Gliede. Es folgt daraus, daß sie weder
eigenmächtig verkauft noch vertauscht und
noch weniger verderbt werden dürfen.

5.) Musikalien, Notenpapier, Unterhaltung und
Reparatur der Instrumente sind immer aus der
Theaterkasse zu bestreiten. Die Noten müßen
von jedem Mitgliede unentgeldlich
abgeschrieben werden.

6.) Damit aber das Institut erhalten werden
möge, so ist eine der ersten und
Hauptverbindlichkeiten, daß jedes
musikalische Mitglied, nach erlerntem
Instrumente, einen neuen Rekruten aufsuche,
ihn anwerbe, und ihn sein Instrument
unentgeldlich lehre. Denn habt ihr die Musik
unentgeldlich empfangen und gelernt, so
theilet sie auch anderen wieder unentgeldlich
mit! Dabey ist aber wohl zu merken, daß die
Akteurs vor allen anderen zur Erlernung der
Musik das erste Recht haben, weil sie durch
ihre Bemühungen Beyträge liefern. Erst
alsdann, wenn diese keine Lust oder kein
musikalisches Talent haben, werden andere
tüchtige Subjekte ausgewählt

7.) Um bey der Musik immer Harmonie und
Eintracht zu erhalten, und bey allen
Mitgliedern nach und nach gleiche Musikstärke
zu bewirken, wird mit der ersten und 2ten
Klarinette eben so, wie mit dem ersten und
2ten Waldhorn abgewechselt

8.) Da es sehr leicht geschehen könnte, daß
unter den Mitgliedern nach und nach sich
menschliche Blössen und Schwachheiten,
allerley Mißverständnisse, Verdrießlichkeiten
und Feindschaften oder andere schädliche
Leidenschaften ansetzen könnten, wodurch
der eine oder andere von der Versammlung
abgehalten würde, so werden die sämtlichen
Theilhaber ernstlich ermahnt, so gleich jeden
Zwist in der Geburt brüderlich zu ersticken;
den sich nicht bessernden aber mir
anzuzeigen, der sodann, ohne alle Nachsicht,
das erstemal um 24 kr., das 2temal um 48 kr.
u.s. f. gestraft werden soll.

9.) Sollte sich aber ein Mitglied ohne wichtige
Gründe und unangefragt vom Musikkollegium
trennen, und somit die ganze Bemühung des
Lehrers vereiteln, und also die ganze Anstalt
der Schande und dem Gelächter aussetzen,
auch einen Schaden von mehreren Karolins
verursachen, so muß er sein Instrument nicht
nur zurückgeben, sondern den ganzen
Schaden ersetzen.

10.) Da nun dieses gegenwärtige Bündnis
öftern Besuch und täglichen Umgang mit mir
erfordert, so sehet ihr von selbst ein, daß jeder
von euch ein tadelloses Leben führen müße,
damit ihr euch meines vertrauten Umganges
würdiget, und daß meine Pfarrgenossen nie
sagen können: ,,Unser Pfarrer hat es nur mit
schlechten Leuten zu thun." Es versteht sich
überhaupt von selbst, daß Unsittlichkeiten
aller Art auch dem obigen 8ten Gesetze streng
unterworfen sind.

Dies sind nun, l. Freunde, die Vorschläge zur
Wegräumung aller Hindernisse, wodurch ihr
ohne einen Kreutzer Geld von eurem
Eigentum aufzuopfern, zum schönen Ziel
gelangen könnet, das ihr euch vorsetzet, und
wodurch ihr eine Art von Freude erlangen
könnet, die weit reiner und edler ist, als alle
bisher genossene. Aber um keine gemeine,
Spielmannsartige, sondern eine wirklich
schöne, angenehme Musik zu erlangen, und
auf immer zu erhalten, müssen alle obigen
Bedingungen höchst nothwendig zum Grunde
gelegt werden, ohne deren feyerliche Zusage
ich weder Hand noch Fuß regen, und euch
nicht einen einzigen Buchstaben von Musik
zeigen würde. Wollet ihr nun alle diese Punkte
eingehen, so müßet ihr nicht nur alle eure
Namen unterschreiben, sondern, um dem
Kontrakte Ansehen und Rechtskraft zu
verschaffen, so müßen sich auch alle erbetene
Zeugen mitunterschreiben. Eines der
Mitglieder nimmt eine getreue Abschrift von
diesem Originale, um im Fall einer größeren
Uebertretung obiger Gesetze den Weg
Rechtens einschlagen zu können.

Lautlingen, im Pfarrhause, am 7ten May 1803.

Der Vertrag trägt folgende Unterschriften:
Direktor Ignaz Demeter, Pfarrer. Mitglied Anton
Eppler, Lehrer. Mitglied Xaver Spon. Mitglied
Joseph Klotz. Mitglied Fidelis Epler. Mitglied
Alexius Müller. Als Zeugen des Vertrages
haben mitunterschrieben: Matheus Roth,
Dominikus Kloz, Kornelius Epler, Georg Klotz
und Gabriel Oswald.

Später berichtete Demeter: Gleich am
folgenden Tage beschrieb ich obbenannte
Instrumente, welche aber erst im Herbst
ankamen. Sie waren alle ganz neu, und
werden jetzt in einem dazu verfertigten Kasten
aufbewahrt. Sie kamen wirklich auf 6 Karolins
zu stehen. Der Unterricht fieng erst um Martini
an, und obgleich außer dem Herrn Schullehrer
im Orte alle andere keine Musiknote kannten,
und lauter Bauren- und Handwerks-Jungen
waren, und überdies der Unterricht zwar alle
Tage, aber nur des Nachts von 7-8 Uhr ertheilt
wurde, so gieng er doch so glücklich von
statten, daß am Weihnachtsfeste darauf in der
Kirche eine schöne deutsche Messe mit
Begleitung dieser blasenden Instrumente
gesungen werden konnte. Aufgemuntert durch
das Lob der gerührten Mitbürger lernten sie in
dem verflossenen Winter so emsig fort, daß sie
bey dem im Frühling aufgeführten Schauspiel
die Zuschauer mit ihren Märschen und Arien
so angenehm unterhielten, daß sie von
keinem getadelt, sondern vielmehr über
Verdienst gelobt wurden. Schon manche
schöne Frühlings- und Sommerabende saßen
diese Musikfreunde auf einem, das ganze Dorf
beherrschenden Hügel, ergötzten beym
freundlichen Mondscheine die Bewohner
desselben mit ihren neu erlernten Stücken,
wobei ich zugleich den längst gewünschten
Endzweck erreichte, alle schmutzige,
anstößige Gassenlieder zu verdrängen, und
an deren Stadt lauter schöne, nützliche und
zweckmäßige Volkslieder in den Gang zu
bringen.

Wir sehen heute immer den großen Erzbischof
vor uns, wenn wir Demeters Namen hören. Am
Tage der Gründung der Musikgesellschaft war
er aber ein junger Mann von noch nicht 30
Jahren. In heutiger Zeit hätte es selbst ein
sehr begabter und aktiver junger Pfarrer oder
Lehrer ungleich schwerer, ähnliche Projekte
durchzuführen. Niemand würde heute
jemanden eine solche Autorität zubilligen, wie
sie dieser junge Pfarrer vor 175 Jahren ganz
selbstverständlich für sich in Anspruch
nehmen konnte. Wir sollten uns vielleicht
heute auch daran erinnern, dass die
Musikkapelle Frohsinn Lautlingen in dieser
Form nur entstehen konnte, weil der Pfarrer
sehr klug und weitschauend, die meisten
Dorfbewohner aber noch sehr ungebildet
waren. Diese Bildung zu mehren und damit
auch das gemeinschaftliche Leben zu fördern
war das Ziel Demeter´s. Seinem Grundsatz
folgend: „Lieber nichts anfangen, als nicht gut
ausführen und rühmlich enden. Lieber gar
nichts, als eine Bettelmusik" kämpfte er für
seine Gesellschaft, denn die Armut in
Lautlingen war groß. Bedingt durch Kosten der
Revolutionskriege und der Viehverluste durch
Seuchen sowie durch Straßenbauten und den
Bau bzw. die Instandhaltung öffentlicher
Gebäude hatte die bürgerliche Gemeinde
einen Schuldenberg von über 72.000
Gulden[1] aufgebaut. Pfarrer Demeter klärte
die Finanzierung bereits im Vertrag. Die
Besitzverhältnisse der Instrumente waren
ebenfalls geklärt. Sie gehörten je zur Hälfte der
Kirchenpflege und der Musikgesellschaft. Den
erforderlichen Unterricht erteilte er größtenteils
selbst, da er ja Fagott und Violoncello
einwandfrei beherrschte. Die weiteren
Stunden erteilten auswärtige Musiker gegen
Bezahlung. Hierbei mussten die Schüler den
entsprechenden Fleiß zeigen um die
Gesellschaft nicht in all zu große Unkosten zu
stürzen. Dass die ausgebildeten Musiker
ihrerseits für neue Schüler sorgen mussten
war weitsichtig und sorgte dafür, dass die
Gesellschaft kein Strohfeuer wurde. Demeter
wollte dafür sorgen, dass die Musik in
Lautlingen nie ersterbe und im Falle von
Krankheit oder Verhinderung Ersatz vorhanden
ist.

Leider ist über die Betätigung der
Musikgesellschaft in den ersten Jahren recht
wenig bekannt. Sicher ist, dass sie bei
Messen und Hochämtern in der Pfarrkirche
präsent war und auch die
Theateraufführungen bereicherte. Einige
Stücke wurden gekauft, wieder andere schrieb
Demeter angeblich selbst. Erhalten hat sich
hiervon leider nichts.
Musikkapelle Frohsinn - beständig bis heute
Der weitere Werdegang des Priesters Demeter
vollzog sich außerhalb Württembergs, das er
am 5. Januar 1809 mit seiner Abreise nach
Rastatt verlies. Die Abschiedspredigt an die
Gemeinde hatte er bereits zu Neujahr gehalten
und einen Tag vor dem endgültigen Abschied
stiftete er noch 50 Gulden zu einem Jahrtag
am 15. Oktober, dem Todestage seiner Mutter.

In Rastatt übernahm er, nach Fürsprache und
Protektion von Generalvikar Ignaz Freiherr von
Wessenberg, sein neues Amt als Direktor des
Lehrerseminars, als Professor für Pädagogik
am Gymnasium und Schulvisitator für Stadt
und Land. Gleichzeitig war er aber auch noch
Stadtpfarrer und Dekan in Rastatt. Dies war
die Zeit in der Ignaz Anton Demeter seine
pädagogischen Veröffentlichungen teils erneut
herausgab bzw. neue Bücher schrieb und
verlegen lies. Leider ist infolge der
Kriegswirren beim Herder-Verlag in Freiburg
nur noch ein einziges Exemplar aus
Demeter´s Zeit vorhanden. Diese
Veröffentlichungen erlangten hohen
Bekanntheitsgrad und waren maßgeblich für
die Ausbildung neuer Schullehrer.

Am 29. Oktober 1818 wurde Ignaz Demeter auf
die Pfarrei Sasbach versetzt. Er selbst hatte
krankheitshalber um diese Versetzung
gebeten. Hier wurde er 1819 Definitor und am
Sylvestertag 1831 Dekan. In Sasbach gibt es
noch reichlich Archivmaterial aus dieser Zeit.
Auch hier waren es die Förderung der Schule
und die der Kirchenmusik, die Demeter
bewegte. Dass er die Musik förderte, fand
auch Zustimmung beim Kreisdirektorium
Kinzig. Unter anderem schreibt man von dort:
„....Nach unserer Ansicht darf nichts
vernachlässigt werden, was auf Verbesserung
der noch so rohen Sitten dieser
Pfarrgenossen wirken kann.."

In diesem Zusammenhang wurde ein
Zuschuss von 66 Gulden zur Ausführung „des
edlen Zweckes" genehmigt. Bereits drei Jahre
später hatte man mit vereinten Kräften der
Gemeinden Obersasbach, Sasbachwalden,
Sasbach-Dorf und Sasbachried die ersten
Erfolge aufzuweisen.

Demeter selbst berichtet: „die jungen Leute
singen neue Messen ganz vom Blatte" und:
„der deutsche Kirchengesang leidet darunter
so gar nicht, dass er im Gegenteil dadurch
befördert wird. Die alle Sonntage gesungenen
deutschen Messen tönen reiner und die
deutschen Canons verschönern den
deutschen Gesang."

Immer wieder wird von Zuschüssen berichtet,
die auch von den anderen Gemeinden kamen.
1824 berichtet der Pfarrer in einem neuen
Antrag, dass „die kalte und gewissermaßen
undankbare Gemeinde Sasbachwalden" sich
geweigert habe ihre Quote zu leisten.

In jedem Falle gab es 1827 insgesamt 18
Musikanten neben den Sängerinnen und
Sängern des Chores. Diese musikalische
Saat sollte auch noch nach dem Weggang
Demeter´s an das Freiburger Domkapitel
anhalten. In seine Pfarrei holte er aber auch
den Neffen Adolf Pfister aus dem
hohenzollerischen Hechingen. Diesen
unterrichtete er zunächst selbst und später
nahm dieser die theologischen Studien in
Straßburg auf. 1833 wurde Pfister von
Weihbischof Vicari zum Priester geweiht.

Bei der Primiz am 16. Juni 1833, im
heimischen Hechingen, hielt sein Onkel Ignaz
selbst die Predigt. An der Primizfeier nahmen
die Eltern, Oberlehrer Johann Pfister mit Frau
Viktoria sowie zahlreiche weitere
Familienmitglieder teil.

Nach den erhaltenen Briefen Ignaz Demeter´s
über die Sehnsucht nach Lautlingen darf
vermutet werden, dass Demeter in diesen
Tagen seinen alten Wirkungsort ebenfalls
nochmals besuchte. Unterlagen darüber sind
allerdings nicht erhalten. Im selben Jahr
stellten im übrigen die Lautlinger Musikanten
Mattheis Eppler und Gabriel Oswald einen
Zuschussantrag für den Kauf von zwei
Hörnern. Leider berichtet die Chronik nichts
über den Ausgang der Sache.

Bereits im Jahr 1826 wurde Demeter vom
badischen Großherzog Ludwig als
Ministerialrat zur katholischen Kirchensektion
ins Ministerium des Innern nach Karlsruhe
berufen. Diese Berufung unter den Vorzeichen
besonderer Zuneigung zum Großherzog hielt
Demeter allerdings nur ein Jahr in der
Landeshauptstadt. Danach zog er sich wieder
auf die Pfarrei Sasbach zurück die er während
seiner Dienstzeit weiterhin betreuen durfte.
Wenn man bedenkt, dass ihm gerade dieses
Amt in späterer Zeit noch so viele
Schwierigkeiten bereiten sollte, ein
verständliches Handeln. Das herzliche
Verhältnis zum Großherzog beweisen
außerdem zahlreiche Besuche im
Herrscherhaus.

Während seiner ganzen Zeit als Pfarrer und
Dekan in Sasbach hat Demeter immer wieder
seine tiefe Neigung gegenüber seinen
Pfarrkindern bewiesen. Er setzte sich für sie
ein, versuchte die Abgaben in erträglichem
Maße zu halten und auch ungerechtfertigte
Anschuldigungen aus dem Raum zu schaffen.
Für seine Verdienste, die er in Straßburg
erworben hatte, erhielt er in dieser Zeit auch
das Commandeurkreuz der französischen
Ehrenlegion vom Bürgerkönig Louis Philippe
verliehen.

Demeter´s Pfarrhaus in Sasbach war auch
bekannt für die zahlreichen Besuche
bekannter und gelehrter Personen. Auch der
Freund aus jungen Jahren, Christoph von
Schmid, kam fast jährlich auf der Durchreise
hier vorbei. Sein Ziel war die Kurstadt Baden
-Baden, aber auch der Besuch beim Freund
Demeter. Schmid, der auch mit in der
Erweckungsbewegung tätig war, wurde 1827
Domkapitular in Augsburg, stieg also ebenso
in der kirchlichen Hierarchie auf, wie Ignaz
Anton Demeter. Dieser war aber schon als
Pfarrer von Sasbach einer der angesehensten
Geistlichen im mittelbadischen Raum.
In Baden - und immer wieder Musik
Der erste Erzbischof der Diözese Freiburg, Dr.
Bernhard Boll, war es, der 1833 Demeter in
das Domkapitel berief und somit dessen
Übersiedlung veranlasste. Adolf Pfister, Neffe
des neuen Münsterpfarrers, zog mit seinem
Onkel und Förderer um, er wollte an dessen
Seite bleiben. Bereits hier zeigten sich erste
Konfliktpunkte. Das badische Kirchenblatt
kritisierte diese verwandtschaftliche
Verbundenheit auf das schärfste und
beschuldigte Demeter der „Vetternwirtschaft".
Um den Onkel nicht in weitere Verlegenheit zu
bringen, zog Adolf Pfister wieder in die Heimat
der Eltern und wurde schließlich Vikar in
Steinhofen, heute Ortsteil von Bisingen.

Als Münsterpfarrer schuf Demeter
auftragsgemäß in kürzester Zeit ein neues
Rituale, in dem er mit alten, süßlichen und
blumenreichen Texten gründlich aufräumte.
Selbst kein ausgebildeter Liturgiker, sondern
eher Erzieher, im weiteren Sinne Musiker und
natürlich Seelsorger mit Leib und Seele, schuf
er mit 60 Jahren innerhalb nur eines Jahres
ein vollständig neues Werk. Es verwundert
nicht, dass ein Teil des Klerus dessen
Einführung ablehnte und gar behinderte.

Noch als Metropolit hatte Demeter mit diesen
Kreisen schwere Kämpfe auszufechten. Wenn
er hier vor einem „egoismus clericalis" warnte,
dann sicher zu Recht.

Als Erzbischof Bernhard Boll verstarb und die
Wahl eines neuen Oberhirten anstand, hatte
das Domkapitel neben anderen hauptsächlich
Hermann von Vicari im Auge und Ignaz
Demeter selbst wollte zu keinem Zeitpunkt
kandidieren. Dennoch wirkten die Kreise um
den Großherzog von Baden und dessen
staatliche Behörden auf das Kapitel ein und
die Wahl musste mehrmals wiederholt
werden, ehe schließlich der staatliche
Wunschkandidat Demeter gewählt wurde.

Sein Ausspruch „Diese Stunde wird es sein,
die mich dem Tode näher bringt" trifft die
Stimmung des neuen Metropoliten der
oberrheinischen Kirchenprovinz ziemlich
deutlich. Nach den vielen Eingriffen durch nicht
-kirchliche Behörden musste die Wahl erst
durch Papst Gregor XVI. von allen Mängeln
„geheilt" werden. In jedem Fall kann man
feststellen, dass es nicht Demeter´s Ehrgeiz
o.ä. war, der diese Wahl verursachte, sondern
die vielen Interessen der staatlichen
Behörden, die durchaus Gründe hatten, Ignaz
Anton Demeter zu bevorzugen. Das
Großherzogtum mit all seinen Beamten und
Würdenträger beanspruchte in Baden eine
Autorität die dem „Staatskirchentum"
entsprach und mit diesen Problemen hatte
auch schon Erzbischof Bernhard Boll zu
kämpfen.

Nach vielen Querelen, die mittels kanonischen
Rechts beseitigt wurden, konnte der neue
Erzbischof am 29. Januar 1839 konsekriert
und inthronisiert werden. Am selben Tag
wurde ihm vom badischen Großherzog
Leopold I. das Großkreuz des „Badischen
Zähringer Löwen-Ordens" verliehen.

Die Probleme während Demeter´s Amtszeit
mehrten sich ständig durch Tendenzen die
versuchten die staatlichen Rechte zu mehren
und die kirchlichen Rechte zu beschneiden.
Dagegen konnte sich der Erzbischof kaum
wehren, er wusste um die Macht des
Großherzogtums. Dazu kam die reformerische
Bewegung des „Schaffhauser Vereins" die aus
dem eigenen Klerus herrührte und die
Demeter massiv beschädigen wollte. Die
Feindschaften innerhalb des Domkapitels,
herkommend von der unglücklich verlaufenen
Wahl, kamen ebenfalls noch dazu. Trotzdem
war Demeter nicht der Erzbischof als der er oft
in der Geschichte tituliert wird. Er war nicht
schwach, sondern er erkannte die
bestehenden Grenzen und rieb sich nicht
nutzlos daran auf. Vielmehr versuchte er das
Machbare zu erreichen zur höheren Ehre
Gottes. Vielleicht war es aber auch schon die
Tatsache, dass er kein Landeskind war,
sondern ein Schwabe in Baden, ein
Gesichtspunkt der durchaus Schwierigkeiten
in sich birgt. Heute kann man sagen, dass er
ein weitsichtiger Kirchenmann war, der auch
seinem Landesfürsten die damals
notwendige Treue und Ehrerbietung
entgegenbrachte. Sein Amt als Erzbischof
brachte für ihn keinerlei Annehmlichkeiten mit,
sondern forderte höchste Konzentration,
Vermittlertätigkeit und genaues Abwägen, um
die anstehenden Probleme zu lösen.
Gewissenhaft widmete er sich diesen
Aufgaben und erntete dafür posthume
Nichtbeachtung bzw. negative
Geschichtszeilen. Erst seit den 70er Jahren
des letzten Jahrhunderts erfährt Demeter eine
späte Rehabilitation, nachdem sich auch die
Sichtweisen verändert haben.

Unter anderem gab es während seiner Zeit als
geistlicher Oberhirte auch die Problematik der
Kirchenkonzerte, die hier beispielhaft erwähnt
werden soll. Der erzbischöfliche Archivoberrat
Christoph Schmider beschreibt diesen
Vorgang mit dem Titel „Gotteslob mit
Hörnerschall" oder „Gräuel an Heiliger Stätte".

Zusammengefasst ergibt sich folgender
Sachverhalt: Im Herbst 1834 gründete sich der
„Cäcilienverein am See" in Meßkirch. In einem
Schreiben an das Ordinariat betont dessen
Vorstand ähnliche Ziele wie sie Demeter
anlässlich der Gründung der
Musikgesellschaft Lautlingen formulierte.
„Edle Freude geselliger Kunst, Verdrängung
schlechter jugendverderbender Lieder, u.
Beförderung des Schul- und Kirchengesangs".
Normalerweise entsprachen derartige Ziele
der Neigung Ignaz Demeter´s. Problematisch
war aber, dass dieser Verein seine Konzerte in
den Gotteshäusern abhalten wollte bzw.
abhielt. Dass das erste Konzert in Meßkirch
ohne Rücksprache mit dem Ordinariat
stattfand, obwohl solche Veranstaltungen in
Kirchenräumen grundsätzlich verboten waren,
rief den Unwillen in Freiburg hervor.
Verschärfend kam dazu, dass die
Verantwortlichen, darunter auch Geistliche, von
diesem Verbot angeblich nichts wussten. Das
Ordinariat bestätigte das Verbot nach
Schriftwechseln erneut. Nach weiteren
Bittgesuchen wurde die staatliche „katholische
Kirchensektion" befragt, die eine
Genehmigung unter Auflagen befürwortete.
Das Generalvikariat, es leitete das Bistum
während der Sedisvakanz nach dem Tode von
Erzbischof Boll, versagte aber auch die
nächste, beantragte Genehmigung und zwar
mit einem unabänderlichen Beschluss. Dies
hatte auch mit einen Grund darin, dass jetzt
schon ein zweiter Verein, der Gesangverein
aus Gammertingen, eine solche Erlaubnis
beantragte. Auch der neue Erzbischof Demeter
war ablehnender Haltung gegenüber diesen
Kirchenkonzerten. Die Begründung war mehr
als harsch und deutlich.

U.a. schreibt der „Referent": „.....Eine
katholische Kirche erscheint ihm in ihrer
heiligen Idee nicht nur nicht geeignet für
dergleichen weltliche Gesang-Produktionen,
sondern sogar entehret und entheiliget....Ein
schön vorgetragener Gesang von
menschlicher Stimme ergreift so stark das
Herz der Zuhörer, dass sie sich nicht enthalten
können, zu klatschen, Beyfall zuzurufen, bravo,
bravissimo, da capo nachzuschreien, und mit
Händen und Füßen ihre Freude
ausdrücken.....Referent lobt, preist solche
Vereine, ist selbst Mitglied eines solchen
Gesang-Vereins, nur gehört dieser Verein
nicht in die Kirche."

Demeter hatte also erstens Angst vor einem
Sittenverfall, zweitens war er anderer Meinung,
welche Art Musik in die Kirche gehört (siehe
hier der Gründungsvertrag von Lautlingen) und
drittens befürchtete er, dass diese Ansinnen
bei einer Ausnahmeregelung auswuchern
könnten. Sein Ordinariat folgte ihm hier und
daher erging der dementsprechende
Beschluss. Die Folge war, dass die Vereine
nicht mehr um Genehmigung baten, sondern
erst ganz kurz vor der Veranstaltung
informierten, so dass eine Absage gewiss zu
spät kommen würde. Die langen Postwege
kamen den Vereinsfunktionären hier
entgegen. Erzbischof Demeter war gewiss zu
Recht verärgert, konnte aber, ob der
staatlichen Strafgewalt die ihm fehlte, nichts
tun als beim Innenministerium Einspruch zu
erheben. Demeter resignierte 1839 und auch
sein Ordinariat musste später einsehen, dass
hier die Macht an der Grenze war.

Dieses exemplarische Beispiel zeigt ganz
deutlich, dass die kirchlichen Befugnisse
mehr als stark durch die in Baden
herrschende staatskirchliche Verfassung
eingeschränkt waren.

Einige Schreiben nach Lautlingen und
Besuche seines Freundes Fidel Eppler[2],
Kastenknecht in Lautlingen und Mitglied der
Musikgesellschaft, zeigen, wie sehr er sich
dem Dorf auf der Alb nach wie vor verbunden
fühlte, wohl auch wegen des Grabes seiner
Mutter auf dem Dorffriedhof. Die Begegnung
Epplers mit dem Erzbischof soll auch hier als
Anekdote Erwähnung finden: „Eppler wollte
den Erzbischof in Freiburg besuchen. Im
Palais wollte man den einfachen Bauer
allerdings nicht vorlassen. Durch die
verursachte Unruhe wurde Ignaz Demeter aber
über den Besuch aus Lautlingen informiert. Er
eilte die Treppe hinunter und fiel seinem
Freunde Fidel um den Hals, ungeachtet der
Beobachter, welche dieser herzlichen Szene
gerade beiwohnen mochten."
Vom Münsterpfarrer zum Erzbischof
Etwa ein Jahr vor seinem Ableben, machte
Demeter sein Testament. Er setzte seine
Schwester Maria Kreszentia und den Bruder
Josef Anton zu Universalerben ein. Der Bruder
selbst war Apotheker in Freiburg und die
Schwester führte ihm den Haushalt. Man
vermag zu ahnen, dass die Anwesenheit der
Geschwister sicher so manches Mal tröstend
gewirkt haben muss. Unter anderem richtete
Demeter eine Stiftung ein, die nach dem Tode
der Geschwister zwei Drittel des
Barvermögens erben sollte. Sie hatte die
Errichtung eines Institutes der barmherzigen
Schwestern in Baden zum Ziel. Die
Verwirklichung sollte in Freiburg oder Bruchsal
stattfinden. Der Demeter wohlgesinnte
Großherzog Ludwig von Baden genehmigte
die Errichtung des Ordens der barmherzigen
Schwestern trotz heftiger Widerstände. Ein
Wunsch, dessen Erfüllung der Stifter selbst
aber nicht mehr erlebte.

Erzbischof Ignaz Anton Demeter verstarb nach
dreimonatigem, schwerem Krankenlager am
Montag den 21. März 1842 um 16.30 Uhr.
Seiner Diözese hatte er als zweiter Erzbischof
seit der Errichtung fünf Jahre und 52 Tage
vorgestanden. Die Beisetzung fand am
Gründonnerstag, 24. März um 14 Uhr statt.
Sein Nachfolger im Amte, Hermann von Vicari
beerdigte ihn im Münster zu Freiburg.

Der Eintrag im Kirchenbuch des
Dompfarramtes Freiburg, 1842, Seite 467, Nr.
32 lautet im Original wie folgt: „Im Jahre 1842,
den 21. März, abends halb fünf Uhr starb
dahier und wurde am 24. d. Monats
nachmittags 2 Uhr von Sr. Gnaden Hermann
von Vicari, Dr. der Theologie und beider
Rechte, Domdekan, Bischof von Macra,
Commandeur des Zähringer Löwenordens mit
Begleitung sämtlicher hiesiger, sowie der
benachbarten Geistlichkeit und unter
Anwohnung Sr. Exzellenz des Großherzogl.
Oberhofmarschalls von Dubois de Gresse, als
Repräsentant Sr. Königl. Hoheit des
Großherzogs von Baden – in der hiesigen
Münsterkirche beerdigt, Se. Exzellenz Herr
Ignaz Demeter, Dr. der Theologie, Erzbischof
und Metropolit zu Freiburg, Großkreuz des
Großherzogl. Bad. Ordens vom Zähringer
Löwen und Commandeur der französischen
Ehrenlegion – 68 Jahre und 8 Monate alt.

Zeugen sind: das ganze Hochwürdige
Erzbischöfliche Ordinariat.

Freiburg, den 24. März 1842

Dr. Ludwig Buchegger
Pfarr Rector."

Das Grabmal, ein schlichter, neugotischer
Hochgrabstein, fand Platz in der
Schnewlinkapelle des Freiburger Münsters.
Hier zeigt sich einerseits die Bescheidenheit
Demeter´s aber auch die Achtung vor dem
damals wenig geliebten Erzbischof. Der
Grabstein wurde bewusst klein und einfach
gestaltet im Gegensatz zu denen seiner
Vorgänger und den Nachfolger.
Am Ende ein schlichtes Grabmal
Ferdinand Löffler, Ignaz Anton Demeter, Lebensbilder aus dem Bayrischen Schwaben,
Weissenhorn 1977

Karl-Heinz Braun, Hermann von Vicari und die Erzbischofswahlen in Baden, Freiburg

Erwin Gatz Hrsg., Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder

Freiburger Diözesan Archiv Band 93, Freiburg

Dr. Heinrich Maas, Geschichte der kath. Kirche im Großherzogthum Baden, Freiburg 1891

Christoph Schmider, Gotteslob mit Hörnerschall...,

ders., Erzbischof Dr. Ignaz Demeter, 1997

Hubert Bastgen, Die Vorgänge bei der Wahl des Erzbischofs von Freiburg im Jahre 1836,
Freiburg 1928

Hubert Schiel, Ignaz Demeter und die Erweckungsbewegung i.d. Diözese Augsburg,
Freiburg 1930

Festschrift 175 Jahre Musikkapelle Frohsinn, Lautlingen 1978

Schnell Kunstführer 916, Sasbach bei Achern - Pfarrkirche St. Brigitta, Regensburg 1969

Adolf Hirth, Das Saschwaller Buch, 1997

Ernst Döbele, Geschichte der Pfarrei Sasbach, 1950

Ortschronik Lautlingen Tagesberichte ab 1800, Band I

Pfarrchronik Lautlingen

Pfarrarchiv Lautlingen

Herr Jens Florian Ebert mit verschiedenen Hinweisen

Dank sei an dieser Stelle Herrn Archivar Ketterer Sasbach, Herrn Dr. Christoph Schmider
Archivoberrat Freiburg, Herrn Dr. Peter Thaddäus Lang Stadtarchivar Albstadt und Frau
Marianne Wendelin, Pfarrsekretärin Lautlingen für die stets freundliche Unterstützung bei
den Nachforschungen.

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Fußnoten:

[1] 1 Gulden (fl. = Florin) entspricht 60 Kreuzern und diese 480 Hellern. Die Mindestkosten für
den tägl. Lebensunterhalt betrugen um 1800 etwa 12 – 15 Kreuzer. Auf dieser Basis und
unter einigen Vorbehalten können wir dem Gulden heute einen Geldwert von knapp 50,-- €
zuweisen.

[2] Fidel Eppler * 23 Februar 1777, H 11. Februar 1806 mit Verena Stumpp (folio 601), s 17.
Februar ??
Quellenverzeichnis
Joh. Michael Sailer Bischof zu Regensburg
St. Peter + Paul
Pfarrkirche zu Ried
Lautlinger Pfarrkirche St. Johannes Baptista um 1820
Gründungsvertrag der Musikkapelle
Auschnitt mit den Unterschriften
Blick auf Sasbach
Zeichnung Gertrud Class
Bischofswappen Demeter´s
Zeichnung Dietrich Wehner
Eine Initiative zugunsten
der Schloss-Scheuer