Satzung
Vereinsführung
Chronik
Musiker im Bild







Impressum
Ignaz Anton Demeter

Musikkapelle Frohsinn Lautlingen

Chronik

Über 200 Jahre Geschichte -

Tradition verpflichtet !!

Vieles wurde anders...und blieb doch beim alten...

Zeittafel

So ungefähr könnte das Fazit aussehen, wenn man auf die letzten 200 Jahre zurückblickt. Im Grunde eine lange Zeit, in der sich nicht nur die Musik geändert hat. Es haben sich auch die äußeren Bedingungen einem radikalen Wandel unterworfen. Und dennoch sind die Aufgaben und Pflichten, die die Musiker zu bewältigen haben, die gleichen geblieben. Ebenso wie früher pflegt eine kleine Gruppe von Idealisten ein Kulturgut, das in der dörflichen Gemeinschaft eine wesentliche Säule darstellt.


Doch blicken wir zurück in das Jahr 1803, als alles begann.


Selbst in dem kleinen Dorf Lautlingen dürften die Umwälzungen der damaligen Zeit zu spüren gewesen sein. Im damaligen Gebiet von Württemberg ging es drunter und drüber.


Durch die pro-napoleonische Haltung des Südwestens entstehen aus zahlreichen Fürstentümern das Großherzogtum Baden und das Königreich Württemberg. Lautlingen bleibt unter den Patronatsrechten der Stauffenberger. Die Grundrechte gehen an das neue Königreich. Trotzdem wendet sich die Gemeinde später mehrfach an den König und fordert die Ablösung der Rechte. Zudem läutet die Säkularisation (Geistliche Besitztümer gehen in staatliche Gewalt über) und die Mediatisierung (Verlust der Reichsstandschaft und Landeshoheit) einen radikalen Wandel ein.


Nur wenige Monate nach der Bildung von Baden und Württemberg (25.2.1803), wurde unter der Regie von Pfarrer Ignaz Demeter am 7. Mai 1803 ein „Vertrag zwischen Musikfreunden zu Lautlingen“ unterzeichnet, der die Grundlage der heutigen Musikkapelle Frohsinn Lautlingen e.V. seine sollte. Erwähnenswert ist hierbei, dass es sich bei den „Musikfreunden“ um eine Theatergruppe und eine Musikergemeinschaft handelte, die am Anfang von Direktor Pfarrer Ignaz Demeter geleitet wurden.


Was die Beweggründe zu diesem Vertrag waren, lässt sich anhand des Vertrages nur mutmaßen. Ausschlaggebend hierfür dürfte der Musikliebhaber Ignaz Demeter gewesen sein, der in der Bevölkerung wiederum auf ein entgegenkommendes Interesse stieß. Denn der Vertrag beginnt mit den Worten : „Liebe Freunde, schon lange habet ihr gewunschen, die Musik zu erlernen ...“.

In dem durch Landwirtschaft geprägten Lautlingen konnte sich damals keiner ein Instrument geschweige den Unterricht leisten. Durch den finanzkräftigen Mäzen sahen sich einige junge Mitbürger ermutigt und drängten Ignaz Demeter zu diesem Vertrag. Pfarrer Ignaz Demeter wiederum sah in den Wünschen dieser Bürger die Möglichkeit, die bäuerliche Bevölkerung von Lautlingen einem kulturellen Angebot näher zu bringen und die Kirchenmusik zu fördern. Wenn man den Vertrag aufmerksam durchliest, stellt man fest, dass er mit einer Weitsicht aufgesetzt wurde, die das Fortbestehen der Gemeinschaft auch nach seiner Zeit sichern sollte. So heißt es denn in dem Vertrag wörtlich : „Auch da soll die Klugheit sprechen : „Nichts angefangen ohne reife Überlegung“, „Lieber nichts angefangen, das nicht gut ausgeführt und rühmlich geendet wird.“ und weiter „Lieber nichts, als eine Bettelmusik“ “. Pfarrer Ignaz Demeter wollte etwas schaffen, das in der Bevölkerung bestand hatte und da ging es um mehr als nur Musik zu machen.

Der Vertrag selber umfasst insgesamt 12 Paragraphen, in denen die Pflichten, Aufgaben und auch der finanzielle Aspekt geregelt werden. Einige Passagen daraus haben 200 Jahre überdauert. So galt damals wie heute, dass die Instrumente und Noten grundsätzlich Leihgaben waren und sind, die entsprechend zu behandeln waren und bei einem Austritt zurückgegeben werden mussten.

Der fast tägliche Umgang mit dem Ortspfarrer erforderte gewisse Regeln. Um nicht in Verruf zu geraten, forderte dieser, dass nur derjenige Mitglied werden konnte, wer einen tadellosen Lebenswandel vorweisen konnte. Ein Fehlverhalten wurde bestraft oder endete gar mit dem Ende der Mitgliedschaft.

Die höchste Instanz in dieser Gemeinschaft stellte der Direktor dar. Es gab so gesehen keine andere Autorität als den Direktor – keinen Vorstand oder Ausschuss. Der Direktor bestimmte (anfänglich Pfarrer Ignaz Demeter), wann und wo gespielt wird. Die Mitglieder hatten sich an seinen Gewohnheiten bzw. den kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten unterzuordnen. Zum Beispiel galt:

 


    * Die Musiker verpflichtete sich, das ganze Jahr über nach Bedarf vor- und/oder nachmittags in der Kirche zu spielen

    * unentgeltlich nach Verlangen des Direktors überall zu spielen unter Berücksichtung des Berufes in seinem Hause, auf freiem Felde, auf Bergen und Tälern.


Gänzlich untersagt war z.B. das Spielen in Gasthäusern und auf Hochzeiten. Die Musikanten sollten keine Konkurrenz zu den Spielleuten sein bzw. sollten sich mit ihrer Musik von diesen abheben. So wird in einem Absatz am Ende des Vertrages gefordert : „ ... um eine schöne, wahrhaft schöne, keine übeltönende, keine spielmannsartige Musik zu erlangen, um auf immer zu erhalten ...“.

Um den Fortbestand der Musikgesellschaft zu gewährleisten, bildete Pfarrer Ignaz Demeter am Anfang die Musikanten selber aus und übernahm das Amt des Dirigenten. Nach einer Ausbildung von zwei Jahren mussten dann die Musikanten dem Pfarrer einen Schüler vorstellen, der nach der Aufnahme in die Gesellschaft von den Musikern selber unterrichtet wurde. Vorrangig wurden die Mitglieder der Theatergruppe behandelt, erst wenn hier niemand gefunden werden konnte, durfte ein „geschicktes Subject“ ausgewählt werden. Auf diese Weise wurde über Jahrzehnte der Fortbestand gesichert und das Wissen weitergegeben.


Interessant ist auch der § 3 des Vertrages, in dem jeder Musiker verpflichtet wurde, neue Musiktitel selber abzuschreiben. Nur die Fagott und Violoncellostimme von Ignaz Demeter wurde vom jüngsten Mitglied abgeschrieben. Wer von den Musikern einen Zögling ausbildete, konnte das Notenschreiben delegieren. Das Abschreiben von Noten war bis in die Mitte des 20sten Jahrhunderts noch gang und gäbe. Eugen Hoffmann wurde 1950 sogar zum Notenschreiber ernannt.


In weiser Voraussicht regelte Pfarrer Ignaz Demeter in seinem Vertag sehr umsichtig in verschiedenen Paragraphen das Verhältnis zwischen Theaterfreunden und Musikanten. Die Theaterspieler mussten sich z.B. zur Hälfte an den Kosten der Musikanten beteiligen. Die wiederum mussten kostenlos bei Theaterauftritten spielen. Um die Beiträge aus der Theaterkasse zu sichern, wird in § 1 festgeschrieben, dass zweimal im Jahr eine Aufführung zu tätigen ist. Von den ganzen Einnahmen forderte Pfarrer Ignaz Demeter keinen Gulden – ein echter Mäzen eben. Von der Tradition der Theateraufführungen wurde bis in die 50 iger des letzten Jahrhunderts Gebrauch gemacht.


Wer glaubt, dass bei soviel Idealismus alles pure Harmonie war, täuscht sich gewaltig. Auch damals konnte ein handfester Streit fester Bestandteil in der „Kulturszene“ Lautlingen sein. Pfarrer Ignaz Demeter war Realist genug und regelte auch das zwischenmenschliche Miteinander, so gut es eben in einem Vertrag zu regeln ist. In dieser Hinsicht hat sich damals wie heute nicht viel geändert.


Liest man zwischen den Zeilen des Vertrages, so erkennt man, dass Ignaz Demeter wohl ein sehr strenger, charismatischer aber auch weitsichtiger Mensch war. Er kannte offensichtlich die Mentalität der „rauen Älbler“ sehr gut und wusste damit umzugehen.


Was sich in den ersten 120 Jahren Vereinsgeschichte in Lautlingen abspielte, kann oft nur vermutet werden. Es gibt bis 1924 wenig schriftliche Aufzeichnungen. Selbst die Ortschronik und die Kirchenbücher geben kaum Aufschluss, was die Musiker in Lautlingen taten. Wer dabei Vorstand bzw. Direktor oder Dirigent war, ist nirgends festgehalten, auch über die Mitglieder schweigen sich die Geschichtsbücher aus.


Nur an wenigen Stellen dringt etwas Vereinsgeschichte durch. Im Jahre 1804 lieh sich die Musikgesellschaft vom Vermögen der Rosenkranzbruderschaft 20 Gulden, unverzinslich, vermutlich zum Kauf von Instrumenten und Noten. 1833 werden zwei Musiker erwähnt, Mattheis Eppler und Gabriel Oswald, die einen Antrag zur Beschaffung von zwei Hörnern stellen, um ihre Kirchenmusik fortsetzen zu können. 1844 wird aufgrund eines Streites mit dem Kirchenchor die Instrumentenmusik an Festtagen aufgehoben.


Bei der Musikgesellschaft jener Jahre handelte es sich wohl um eine kleine eingeschworene Gemeinschaft mit eine Mitgliederstärke von 8 bis 12 Mann, bestehend aus Flügelhörnern, Es-Hörnern, Tenorhörnern, Tuben und Tambour. Das Betätigungsfeld der Musikanten war auch damals sehr vielseitig. Bis 1972 war die Musikkapelle eine reine Männerdomäne. Damals wurde das erste weibliche aktive Mitglied namentlich erwähnt. Sicher ist auch, dass der Kontakt zu den Nachbargemeinden sehr rege war. Aus den Protokollbüchern ab 1924 geht hervor, dass die Lautlinger Musikanten sehr weit herumkamen und teilweise in den Gemeinden übernachten mussten, wo sie gespielt hatten. Für manch einen damals die einzige Gelegenheit aus Lautlingen herauszukommen. Für Hallodris und Trunkenbolde war aber kein Platz, dazu war die Sache zu ehrenwert und solche Strapazen nimmt niemand auf sich, wenn er nicht 100 Prozent hinter einer Sache steht. Auch kann ihre Musik nicht schlecht geklungen haben, sonst hätte man sie nicht eingeladen.


Diese Nachfrage gründet sicherlich auch darin, dass andere Gemeinden keine Musik­gemein­schaften hatten oder sich leisten konnten. Pfarrer Ignaz Demeter achtete seit Beginn auf eine umsichtige und solide Finanzierung der Musikergemeinschaft. Aus den Einnahmen der Theatergruppe und den eigenen Auftritten, mit der Kirchengemeinde im Rücken, waren die Lautlinger Musikanten in der Lage, sich finanziell über Wasser zu halten.

Die Männer verfügten über eine entsprechende Reputation und waren auch für andere Ämter innerhalb Lautlingens geeignet. Dass sie Charaktermenschen waren, zeigen auch die hitzigen Debatten und Auseinandersetzungen in den Chroniken.

Doch schließen wir den Bereich der Vermutungen und wenden uns den Tatsachen zu.


Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen beginnen am 19.Juli 1924 mit einer Musikerversammlung, in der die Gründung der Musikkapelle Frohsinn Lautlingen e.V. durch das Amtsgericht Balingen bestätigt wurde.


Die Gründungsversammlung des Vereins fand am 29. Juni (Kirchl. Feiertag Peter und Paul) statt. Erster Vorstand war Josef Röcker, Schriftführer und Kassier Josef Linder. Als aktive Ausschussmitglieder werden Josef Moos und August Ammann geführt. Dirigent war Peter Stumpp und Vereinsdiener Otto Kopf.

Auf den ersten Seiten des Protokollberichtes von 1924 ist folgendes zu lesen: „In der Gründungsversammlung wird als neues Mitglied Hermann Roth aufgenommen. Dieser wurde in der darauf folgenden Musikprobe am 26.Juli 1924 nach einer einstimmigen Abstimmung wieder ausgeschlossen, nachdem Josef Moos mit Austritt gedroht hatte.“


Solche Auseinandersetzungen sind in der ganzen Vereinsgeschichte durchgängig zu beobachten. Manche gründen auf typischen Generationenkonflikten: so kündigen einige jüngere Mitglieder im Februar 1926 die Mitgliedschaft, nachdem Vorstand August Amann droht, diejenigen aus dem Verein auszuschließen, die seinen Anordnungen nicht folgen wollen. Einige erkennen ihren Fehler und treten dem Verein wieder bei.


Andere Probleme wurden handfester ausgetragen: am 15.Mai 1926 kündigte Dirigent Peter Stumpp in einer außerordentlichen Versammlung sein Amt und verließ mit seinem Sohn Polykarp den Verein. Er fühlte sich von den Musikern grob behandelt. Die Herausgabe des Instrumentes von Peter Stumpp zog sich längere Zeit hin, denn dieser machte noch Gehaltsforderungen geltend und gab das Instrument im wahrsten Sinne des Wortes nur Stückchenweise heraus. Jedes Mal wenn Vereinsdiener Otmar Maute vorstellig wurde, erhielt er widerwillig ein weiteres Teil von dem Instrument. Am Ende landete der Fall vor Bürgermeister Kurz, der einen Vergleich aushandeln konnte. Sohn Polykarp Stumpp kehrte später in den Verein zurück.


1927 waren die Unstimmigkeiten sogar so groß, dass die Aufzeichnungen ein halbes Jahr ausgesetzt wurden. Probleme eines jungen Vereins, die in der Konstituierungszeit sicher normal waren. Diese Reibereien der Altgedienten hörten erst Anfang der 30er Jahre auf, als eine neue Generation nachrückte.

Die Entwicklung der Musikkapelle verlief damals sehr unstetig.

In den Jahren von 1924 bis 1932 ging es sehr gemächlich zu. Die Verhältnisse waren von der dörflichen Tradition geprägt. Nach und nach schwand der Einfluss der Kirche, denn die Kapelle bekam jetzt auch Zuschüsse von der Ortsverwaltung. Die unter Pfarrer Ignaz Demeter verpönte „Bettelmusik“, d.h. das Spielen bei  Tanz­ver­anstal­tungen, waren  nun fester Bestandteil des Vereinslebens.


Eine Meisterleistung der Vorkriegszeit war die 100 Jahr-Feier am 27.-29. Juli 1929, an der auch das 14. Gaumusikfest stattfand. In nur vier Monaten wurde die gesamte Organisation der Festtage abgewickelt, wobei die üblichen Termine, unter anderem ein Preisspiel, nebenbei mitgetätigt wurden. Für die damalige Vorstandschaft und die Ausschussmitglieder ein enormer Aufwand, denn viele Botengänge wurden per Post oder mit dem Auto erledigt. Heute wäre dies undenkbar. Weshalb dieses Jubiläum mit großer Verspätung gefeiert wurde, ist nicht klar, zumal sowohl der Gründungsvertrag als auch die Geschichte bekannt waren und in einer Festschrift niedergeschrieben wurde.


Laut Protokollbericht waren die Aufbauarbeiten für das Jubiläum 1929 sehr anstrengend und die Zeit knapp bemessen. In einem knappen Tag – von Samstagmorgen bis gegen 6 Uhr abends - wurde ganz Lautlingen auf das Fest eingestimmt. Bereits am Vorabend kamen die ersten Kapellen und Preisrichter am Bahnhof an und wurden mit klingendem Spiel empfangen. Nach dem Festbankett ging es im Festzelt und in den Wirtshäusern hoch her. Die Stimmung war offensichtlich so gut, dass einige Musiker am Sonntagmorgen die Tagwache verschliefen und diese um eine Stunde verschoben werden musste. Am Sonntag strömten dann Menschenmassen nach Lautlingen, wie sie zuvor noch nie gesehen wurden. Lautlingen platzte regelrecht aus den Nähten. Am darauf folgenden Montag regnete es derart, dass das Kinderfest fast abgesagt werden musste. Die gute Organisation in dieser doch kleinen Gemeinde fand bei den Teilnehmern hohe Beachtung und Anerkennung, wie sich später herausstellen sollte.


Das Jubiläum hatte einen positiven Einfluss auf die Musikkapelle. Waren es 1929 noch zehn aktive Musiker, konnten ein Jahr später 14 Aktive gezählt werden. Die Musikkapelle entwickelte sich auch musikalisch zum Positiven. Nur die Kassenlage zwang die Kapelle zum Sparen. Manches Instrument konnte nicht gekauft werden oder der Kauf musste verschoben werden, weil die Geldmittel nicht ausreichten. Sammelaktionen und Platzkonzerte sicherten zwar ein gewisses Einkommen, waren aber bei weitem nicht ausreichend.


Eine Wende kam Mitte der 30er, als Adolf Hitler an die Macht kam und die Vereinsstrukturen nach und nach auflöste. Die Musikkapelle Frohsinn wurde gleichgeschaltet und in die NS-Ortsgruppe eingegliedert. Mit der Gleichschaltung wurden auch die Musiker gezwungen, in die Partei einzutreten, da ansonsten der Verein aufgelöst worden wäre. Dies wurde von Einigen mit einem Austritt aus dem Verein quittiert. Anhand des Schriftwechsels zwischen Kreisleiter und Vorstand sieht man, dass die Bildung der Ortsgruppenkapelle alles andere als einfach war. Am 31.Oktober 1933 wurde in einer Versammlung die Bildung der Ortsgruppenkapelle beschlossen, die in einer weiteren Versammlung am 16.Februar 1934 bestätigt wurde. Trotz dieser Beschlüsse wurde die Lautlinger Ortsgruppenkapelle am 15.März 1934 wegen „Miesmacherei“ von Ortsgruppenleiter Friedrich Karl Gern (1928 – 1929 Schriftführer, 1930- 1931 zweiter Vorsitzender, 1932 – 1935 Ausschussmitglied der Musikkapelle Frohsinn Lautlingen) aufgelöst. Daraufhin schrieb der Musiker Eugen Hoffmann, damaliger Schriftführer, an den Bundesmusikpräsidenten Krämer in Freiburg und schildert ihm den Sachverhalt. Im Antwortschreiben genehmigt dieser, dass die Lautlinger Musikkapelle mit maximal acht Mann weitermachen durfte.



Der Beginn des zweiten Weltkrieges veränderte die Vereinskultur vollständig. Während 1939 noch die Vereinsgeschäfte voll getätigt werden konnten, kamen sie bis 1945 fast vollständig zum Erliegen. Im Kriegsjahr 1940 fielen ein Tenorhorn und ein Cinellendeckel der Metallspende zum Opfer. Einige wenige Musiker, die nicht eingezogen wurden, spielten aber weiterhin und bewahrten die Musikkapelle vor der Auflösung. Weil es in den Nachbargemeinden auch an Musikern fehlte, wurde auch dort immer häufiger auf Beerdigungen gespielt. 1943 werden in der Chronik acht aktive, neun passive und fünf Ehrenmitglieder genannt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die Musikkapelle eine große Lücke bei ihren Mitgliedern zu beklagen.


Die Aufbaujahre von 1945 bis 1948 waren nicht einfach. Mit der Währungsreform am 20.Juni 1948 gingen auch die bis dahin bescheidenen Vereinsgelder fast vollständig verloren.


Der erste wichtige Schritt nach dem Krieg war die Gründungsversammlung am 18.Juli 1948 im Gasthaus „Falken“. 28 Musiker und Musikerfreunde, so schreibt der Schriftführer Eugen Hoffmann, waren anwesend. Die Neuwahlen ergaben folgende Konstellation: Johann Eppler wurde Vorstand, Johann Mayer dessen Stellvertreter, Julius Nufer Kassier und Eugen Hoffmann fand als Schriftführer Bestätigung. In den Ausschuss wurden Georg Maute, Franz Nufer ( Falkenwirt ) und Alfred Moos gewählt. Der Kassenbericht fiel mehr schlecht als recht aus. Der bisherige Kassier Johann Mayer nannte einen Kassenstand von DM 35,50. Nach heutiger Kaufkraft wären dies über 150 Euro. Dennoch bewahrten die wenigen Übriggebliebenen ihren Idealismus und begannen mit minimalen Mitteln, den Verein wieder aufzubauen. In dieser Zeit hielt die Kapelle sehr stark zusammen und entwickelte eine Energie, die auch musikalisch zur Geltung kam. Beim Preisspiel beim 1.Bezirksmusikfest des Volksmusikverbandes Baden-Württemberg in Tailfingen im Juli 1949 holten die Musiker in der Mittelstufe mit der „Jubiläums-Ouvertüre“ von E. Dörle ein „sehr gut“ und damit den ersten Platz der teilnehmenden Kapellen in der Mittelstufe.


Teilnehmende Musikanten waren : Dirigent Josef Schairer, Julius Nufer, Lothar Schmid, Kurt Lechner, Heinz Schemminger, Alfred Moos, Willibald Linder, Eugen Hoffmann, Johann Mayer, Karl Baldauf, Karl Stingel, Alfred Mayer, Theo Mayer, Franz Götz, Gottlieb Stumpp und Ottmar Mey. In den darauf folgenden Jahren erhielt die Kapelle konstant gute Bewertungen bei Preis- und Wertungsspielen.

Die Nachkriegsjahre zwischen 1950 und 1970 waren für die Kapelle goldene Jahre. Unter der Leitung von Josef Zimmermann erreichte die Kapelle zum ersten Male ein musikalisches Niveau, das sich grundlegend vom bisherigen unterschied. Die Literatur wurde moderner und die Kapelle bewies, dass sie auch schwierigere konzertante Musik spielen konnte. In diesem Höhenflug wuchs auch die Mitgliederzahl an. Die Kapelle wurde größer und die Stimmen konnten jetzt mehrfach besetzt werden. Klarinetten und Schlagzeug erhielten einen anderen Stellenwert und waren fester Bestandteil der Kapelle.


Als die Musikkapelle am 3.-5. Juli 1954 ihr 150-jähriges Bestehen und das 5. Kreismusikfest ausrichtete, präsentierte sich die Kapelle mit Vorstand Julius Nufer in einem anderen Zeitgeist. Wieder machten sich die Musiker durch eine gute Organisation alle Ehre. Nur mit dem Wettergott schienen sie auf Kriegsfuß zu stehen. Kurz vor dem Beginn des Festzuges öffnete Petrus die Schleusen und brachte die Planung kurzfristig durcheinander. Viele Festbesucher fuhren wieder heim und kehrten Lautlingen den Rücken. Nichtsdestotrotz feierten die Lautlinger ihr Jubiläum mit einem bunten Abend und einem Feuerwerk. Auch das darauffolgende Kinderfest wurde durch das wieder schön gewordene Wetter ein Besuchermagnet.


Erwähnenswert ist auch die Funkaufnahme am 2.4.1954 für die Sendung „Mit Volksmusik ins Land hinaus“, an der die Lautlinger mitwirkten. Zum ersten Mal wird die Bildung einer Jugendkapelle erwähnt. Dirigent Franz Schuler versuchte 1959 mit 13 Zöglingen eine Jugendkapelle aufzubauen. Am 1.Juni 1952 übernahm die Musikkapelle Frohsinn bei der Neugründung des Musikvereines Meßstetten die Patenschaft.


Mitte der 70iger Jahre vollzog sich in der Kapelle ein weiterer Generationswechsel, wobei die Kapelle trotz des ständigen Dirigentenwechsels ihr Leistungsniveau halten konnte. In dieser Zeit machte die Kapelle eine für sie wichtige Erfahrung im Ausland.


Als vom 7.-10.Juli 1974 das 6. Bundesmusikfest in Ebingen stattfand, nahmen die Lautlinger Bürger drei Musikvereine vorrübergehend in Privatquartiere auf - soviel wie sonst keine andere Gemeinde. Unter den Gästen war auch die jugoslawische Gastkapelle „Limena glazba Koprivnica“, die Eisenbahnerkapelle. Es entstand für einige Jahre eine enge Freundschaft, die von den Mitgliedern um Vorstand Jakob Petz sehr gepflegt wurde. Die beispiellose und freundliche Aufnahme in den Gastfamilien folgte ein Jahr später, vom 15.-20.Mai 1975, der Gegenbesuch zum 25jährigen Bestehen der jugoslawischen Musikkapelle. Es war der erste große Ausflug nach Jugoslawien und Ungarn, an der die gesamte Kapelle teilnahm. Für die Musikanten, die dabei waren sind dies unvergessene Eindrücke bis heute.


Mit den Erfahrungen der letzten Jahre richteten die Musikanten am 9.-12. Juni 1978 ihr 175-jähriges Bestehen aus. Dabei wurden sie massiv von den Lautlinger Vereinen und aus der Bevölkerung unterstützt. Und wieder bewiesen sich die Lautlinger Musikanten als perfekte Organisatoren.


Die Zeit ab 1980 war für die Musikkapelle eine schwierige Phase. In Verbindung mit ständigen Dirigentenwechseln und einer nachrückenden Jugend, die sich von Autoritäten nicht beeindrucken lässt, entwickelte sich ein spannungsgeladenes, aber auch sehr kreatives Vereinsleben. In dieser Zeit waren die Musikanten sehr umtriebig. Bei Ausflügen, Skiausfahrten, Fasnachtsveranstaltungen, Geburtstagen und Vereinsfesten ging es in der Regel hoch her. Kurz erwähnt seien hier die Chambery-Reise im Herbst 1983 und das 1. Bundesmusifest in Trier 1989.


Vor allem unter Dirigent Winfried Rieckert, zusammen mit dem Posaunisten Josef Ungermann und dem Trompeter Thomas Nell, heute Musikdirektor beim städtischen Orchester Ebingen, erlebten die Musiker kurzweilige Abende.

Erst mit einem weiteren Generationenwechsel im neuen Jahrtausend kehrte mehr Ruhe in den Verein ein.


Mit einer viertägigen Berlinausfahrt im Oktober 2002 erlebten die Musiker einen einmaligen Ausflug, der im angebrochenen neuen Jahrtausend ein weiterer Meilen­stein in der Vereinsgeschichte wurde.


Nach den historischen Ausführungen möchte ich das Augenmerk noch auf einige Ereignisse lenken, die in der Regel leicht vergessen werden.

Nach der Gründungversammlung 1924 bestand der Ausschuss nur aus aktiven Musikern. Passive Mitglieder erhielten erst in der Generalversammlung 1926 ein den Aktiven gleichwertiges Stimmrecht. Außerdem legte die Versammlung erstmals fest, dass alle Mitglieder über 50 Jahre zu Ehrenmitgliedern erklärt werden. Vorher gab es die  Bezeichnung „Ehrenmitglied“ nicht.


Von 1933 bis 1935  und von 1939 bis 1947 fanden in den Jahreshauptversammlungen keine Wahlen statt. 1936 und 1938 begann man wieder reguläre Versammlungen abzuhalten, nachdem Eugen Hoffmann vom Bundesmusikpräsidenten Krämer und der Reichs­musik­kammer die Erlaubnis erhielt, die Musikkapelle weiterführen zu dürfen.


In der Generalversammlung 1937 wurde nach dem Vorschlag von Ausschussmitglied Julius Nufer beschlossen, denjenigen mit zwei Reichsmark zu belohnen, der null Fehlstunden in den Proben vorweisen konnte.


Obwohl die Neugründung am 18.Juli 1948 erfolgte, erhielt Johann Eppler kurz vor der Generalversammlung am 27.Januar 1950 die Bestätigung, und dies erst nachdem sich Bürgermeister Daniel Oßwald eingesetzt hatte. Die Gemeinnützigkeit erhielt der Verein erst 1989 nach einer Satzungsänderung in einer Generalversammlung, nachdem steuerliche Gründe diese Entscheidung notwendig machten.


Ab 1949 wurden auch weibliche Mitglieder in den passiven Mitgliederstand aufgenommen und der Monatsbeitrag betrug für diese Förderer 20 Pfennig. Mit Martina Schlegel kam erstmals 1972 ein weiblicher Zögling in die Kapelle. 1974 nahmen erstmals Musikantinnen in der Aktivenkapelle an einem Konzert teil. Dies waren Martina Schlegel, Gabriele Frank und Ulla Nufer.


1950 wurde in der Jahreshauptversammlung die Bildung einer Tanzkapelle genehmigt. Diese bestand aus dem Dirigenten Josef Zimmermann und den Mitgliedern Georg Schmid, Ottmar Mey, Karl Müller und Heinz Schemminger. Unter dem Vizedirigenten Gerhard Nufer entstand in den 80-gern eine „Kleine Besetzung“, die sich vor allem der Egerländer-Musik widmete und einen hervorragenden Ruf genoss. Unter der Regie von Reiner Hagg blieb diese Formation erhalten, änderte aber ihr Repertoire.


Was wäre eine Musikkapelle ohne Uniform. Die Anschaffung von neuen Uniformen fand 1928, während des Krieges trug man die braune Uniform, 1954, 1964, 1974 und 1992 statt. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten werden einige dieser alten Stücke zu sehen sein.


Und so möchte ich meinen Rückblick beenden, der nur die Oberfläche streift und viele Ereignisse übergehen muss.


Zu guter Letzt möchte ich allen Mitgliedern danken, auch den vielen namenlosen und vergessenen Mitgliedern, die dazu beigetragen haben, dass die Musikkapelle zwei Jahrhunderte überdauerte.


Claus Buck, Schriftführer

07. Mai 1803

Gründung der Musikgesellschaft durch Pfarrer Ignaz Anton Demeter

1844

Aufgrund eines Streites mit Kirchen-

chor wird die Instrumentalmusik an kirchlichen Festtagen aufgehoben.

29. Juni 1924

Gründungsversammlung der Musik-

kapelle Frohsinn mit Eintragung ins Vereinsregister

27.-29. Juli 1929

Nachträgliche 100 Jahr-Feier mit Preisspiel

1934

Die Umwandlung in eine Orts-

gruppenkapelle geht schief. Mit einer Sondergenehmigung dürfen die Musiker weiterhin als Musikkapelle musizieren

20. Juni 1948

Die noch verbliebenen Vereins-

gelder der Kapelle, die während der ganzen Kriegszeit spielte und Bestand hatte, gehen mit der Währungsreform verloren

3.-5. Juli 1954

150 Jahre Musikkapelle Frohsinn Lautlingen mit Wertungsspielen und 5. Kreismusikfest

9.-12. Juni 1978

175 jähriges Jubiläum mit größerem Fest. Verleihung der Pro-Musica-Plakette

1993

190 Jahrfeier gemeinsam mit dem Jubiläum 1200 Jahre Lautlingen. großes Dorfest. Verleihung der Konradin-Kreutzer-Tafel

Oktober 2002

Berlin-Fahrt mit Besuch der Landesvertretung Baden-Württemberg

2003

200 Jahre Musikkapelle Frohsinn mit vielen Festivitäten im ganzen Jahr.

19. - 20. Juli Großes Dorffest mit allen Vereinen

  

Ignaz Anton Demeter

Musikkapelle 1926

Jubiläum 1929

1950 in Tailfingen

Jubiläum 1978

Jubiläum 1993

Jubiläum 2003