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Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg geb. Schiller
Als Forschungs- und Testpilotin mit herausragenden Kenntnissen in der Physik war Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg geb. Schiller neben Elly Beinhorn eine ganz besondere Persönlichkeit ihrer Zeit. 1936 heiratet sie Alexander Schenk Graf von Stauffenberg. Hier ein kleiner Abriss aus dem Leben dieser Persönlichkeit.
Sichtweisen...
Lebenslauf
Stauffenberg
9.1.1903 Melitta Klara Schiller wird in Krotoschin/Posen als Tochter des
Michael Schiller und der Margarethe geb. Eberstein geboren.
 
1909 -1918 Besuch der städtischen Höheren Mädchenschule in Krotoschin

1918-1919 Besuch des Mädchengymnasiums in Posen

 1919-1922 Besuch des Mädchengymnasiums in Hirschberg
Erwerb des Abiturs
 
1922-1927 Studium der Physik und Mathematik an der Technischen
Hochschule in München, Erwerb des Diploms sowie verschied.
Sonderprüfungen im Bereich der flugtechnischen Spezialgebiete
 
1927 Erste Tätigkeit bei der Schiffsbau-Versuchsanstalt Hamburg
 
1929 Beginn der fliegerischen Ausbildung. Erwerb sämtlicher Flugführerscheine für alle Klassen von Land- und Seeflugzeugen (C2 und K2). Seefahrerprüfung an der Seefahrtschule in Lübeck.
 
1927-1936 Tätigkeit bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt e.V. in Berlin-Adlershof.

Ihr Arbeitsgebiet: Theoretische und Experimentelle Unter-
suchungen auf den Gebieten der Flugmechanik und der Luft-
schrauben. Hier speziell: Untersuchungen über den Widerstand
von Luftschrauben im Sturzflug und über die Entstehung und
Vermeidung des Luftschraubengeräusches. Eigene Flugversuche
im Rahmen dieser Tätigkeit
 
1936-1937 Blindflugausbildung bei der Deutschen Lufthansa: Winter 1935/36 in Hannover und 1936/37 in Breslau bei Flugkapitän Helm
 
11.8.1937 Hochzeit mit Alexander Schenk Graf von Stauffenberg in Berlin- Willmersdorf

Nov. 1937 Verleihung des Titels "Flugkapitän"
 
1936-1944 Tätigkeit bei den Askania-Werken Berlin-Friednau

Ihr Arbeitsgebiet: Entwicklung einer Fernsteuerung für das
Flugzeug Junkers W34 mit Hilfe der Kreiseltechnik. Aus der
eingebauten Kurssteuerung "LZ 12" wurde ein brauchbares
Gerät entwickelt
 
Jan. 1943 Verleihung des "Eisernen Kreuzes II Klasse", des "Militärfliegerabzeichens in Gold mit Brillianten und Rubinen"
 
Oktober 1939 Angefordert von der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow

Ihr Arbeitsgebiet: Weiterentwicklung und Erprobung verschiedener Sturzflugvisiere und Klärung dabei auftauchender technischer und wissenschaftlicher Probleme. Hierzu notwendige Sturzflüge führte sie selbst aus der Höhe von 5000m nach 1000m durch. Diese steilen Zielstürze mit Flugzeugen der Klassen B und C wurden gefilmt und vermessen.
 
Jan. 1944 Vorschlag zur Verleihung des "Eisernen Kreuzes I Klasse" durch Generalleutnant und Kommandeur der Luftkriegsakademie Gatow. Begründung: 

Luftkriegsakademie Berlin Gatow, den 11. Januar 1944

Betr. Vorschlag auf Verleihung des EK I. an Flugkapitän Gräfin Stauffenberg

An Reichsluftfahrtministerium
-Luftwaffenpersonalamt-
Berlin W 8

In Würdigung der überragenden Leistungen
und der Einsatzbereitschaft von

Flugkapitän Gräfin Stauffenberg

wird der Vorschlag auf Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse eingereicht.

Seit Kriegsbeginn hat St. rund 2000 Sturzflüge und eine große Anzahl sonstiger Flugerprobungen durchgeführt, die nachstehend aufgeführt werden:
 

1. Erfassung des Windeinflusses für den Bombenwurf aus dem Sturzflug (Januar 1940)

2. Sturzflugmessungen mit einem windunabhängigen stabilisierten Stuvi und ihre Auswertung (März 1940)

3. Die Versuchstechnik der Sturzflugerprobungen von Zielgeräten für den Bombenabwurf aus dem Sturz (III)

4. Nichstationäre Flugzustände beim Zielflugsturz (V.40)

5. Anwendung einiger Beziehungen zwischen den Größen Wurfweite, Höhe, Fallzeit und Fluggeschwindigkeit für eine vereinfachte Bestimmungsmethode der Wurfweiten (Juni 40 - Askania)

6. Trefferbilder aus Sturzflügen mit JU 87 und Stuvi A 3 (August 1940)

7. Die Aussichten der Gleitbombe im Vergleich zur normalen Bombe (September 1940 - Askania)

8. Anstellwinkelveränderungen beim Sturzflug in gekrümmter Bahn (Januar 1941)

9. Trefferbilder aus Sturzflügen mit JU 87, Serie II und III (August 1941)

10. Das Bombenrevi (Mai 1941)

11. Flugzustände von Flugzeugen, die mit automatischen Steuerungen versehen sind, bei Ausfall eines Seitenmotors (Askania 41)

12. Windmessungen im Sturzflug (Oktober 1942)

13. Die Probleme des Bombenabwurfes aus dem Sturzflug (zusammenfassende Arbeit 1942)

14. Trefferbilder der ME 11o (Spezialausführung für Sturzflug) und Hohlspiegelvisier aus dem Sturz

15. dasselbe im Tiefflug

16. Trefferbilder mit JU 88 und BZA 1

17. Trefferbilder mit JU 87 und BZA 4

18. Erprobung der BZA 20 von Steinbeil in der ME 109

19. Erprobung des Bremsfallschirmes in der Do 17 Z

20. Trefferbilder mit der Do 217

21. Seitenwindmessungen im Sturzflug

22. Erprobung von Zielfernrohren für Sturzvisiere

23. Untersuchungen mit Teilelementen des DVL-Stuvis

24. Untersuchungen und Erprobungen mit Windrichtkeil und BZA 1

25. Untersuchungen über die Tiefsturzanlage (TSA)


                                 gez. Knauhs, Generalleutnant und Kommandeur
 
 1.5.1944 Ernennung zum alleinigen Vorstand der neu gegründeten "Versuchstelle für Flugsondergeräte e.V."

Arbeitsprogramm:

 1. Übernahme der Industrieerprobung im Rahmen von GL/C-e 7 sowie der zugehörigen Entwicklungen bei den Firmen Zeiss-Ikon, Zeiss-Jena, Steinbeil, Anschütz, Görtz-Wien usw. insbesondere folgende der VFS mit Schreiben vom 9. August übertragene Aufgaben:

   1. Lotfe 8 Weiterentwicklung Lotfe 7
   2. TSA
   3. BZA Weiterentwicklung BZA Ib
   4. Flugbomberverrechner für Bombenblindflug
   5. Persikopvisier

2.     Optisches Nachtlandeverfahren

3.     Ermittlung der Bombenballistik und des Zielverfahrens für den      
       Abwurf aus der Stratosphäre mit Hilfe eines besonderen
       Zielauffassungsgerätes

4.    Schnellverfahren zur Ausbildung von Flugzeugführern mit
      Hilfe eines optischen Gerätes

5.    Zielgerät für den Angriff massierter Bomberverbände von vorn
      nach einer besonderen Taktik

6.    Weitere Aufgaben für die Nachtjagd, die auf Wunsch von Oberst
      H. Herrmann durchgeführt wurden:

   1. Schießvisiere mit automatischer Vorhalteingabe
   2. Zielübungsgeräte
   3. Zielfernrohre


7.    Einige dringende Probleme der Nachtjagd auf Wunsch von
      Oberstleutnant Lent, die noch im Untersuchungsstadium waren
 
15.7.-2.9.1944 Inhaftierung in Sippenhaft im Rahmen der Aktion "Gewitter". Vorzeitige Entlassung aufgrund der Kriegswichtigkeit ihres Einsatzes. Erlass durch Reichsführer der SS Heinrich Himmler persönlich. Arbeitserlaubnis nur noch unter dem Namen "Gräfin Schenk"
 
8.4.1945 Abschuss des Flugzeuges bei Irlbach/Strasskirchen um 7.40 Uhr durch den Jagdbomber-Piloten der US-Airforce 1. Lt. Thomas A. Notboune. Die Pilotin bat die zuerst am Absturzort erschienenen Zivilpersonen aus Loh und Straßkirchen, ihr zu helfen und sie aus dem Flugzeug zu heben. Dabei stellten die Helfer fest, daß ein Bein gebrochen sei. Die Verletzungen schienen nicht lebensgefährlich. Als der Arzt Dr. Hans Siegl aus Straßkirchen seine Hilfe anbot, wurde ihm von den inzwischen eingetroffenen Wehrmachtspersonen bedeutet, daß die Verletzte durch einen Truppenarzt bereits versorgt und seine Hilfe nicht mehr nötig sei. Zwei Stunden später, so wurde bekannt, war die Gräfin tot. Die Todesursache bleibt im Dunkeln.

Die verstorbene Gräfin wurde ins Straubinger Krankenhaus "Azlburg" verbracht, dessen Chefarzt später berichtete: „Gegen 10 Uhr wurde von der Sanitätskolonne Straubing eine weibliche Leiche in Fliegeruniform eingebracht. Ich konnte von der Toten das Gesicht und den oberen Teil des von der Uniform bedeckten Oberkörpers sehen. Das Gesicht war unverletzt, die Augen halb offen, die Gesichtszüge nicht verzerrt, sondern ruhig und ernst, der Mund geschlossen. Die Arme lagen ausgestreckt zu beiden Seiten des Rumpfes. Da ich bei der tot Eingelieferten kein Recht zur Leichenschau hatte, ließ ich die Leiche ins Leichenhaus Straubing bringen.“ Das Straubinger Leichenbuch vermerkt als Todesursache der prominenten Frau: "Schädelbasisbruch, Abriss des linken Oberschenkels, Bruch des rechten Fußgelenks."

Die Beerdigung fand am 13.4.1945 um 15 Uhr in Straubing, Friedhof St. Michael unter Beteiligung von Offizieren der Luftwaffe und einer Kompanie der Fl. Führerschule Straubing statt. Man begrub sie im Fliegerkombi, wie sie aufgefunden worden war.

Nach Kriegsende wurde der Leichnam von zwei Lautlinger Bürgern im Auftrag von Alexander Schenk Graf von Stauffenberg exhumiert und mit einem "Holzvergaser" nach Lautlingen überführt. Dort ruhen seit dem 8. September 1945 ihre sterblichen Überreste im Familiengrab der Schenken von Stauffenberg.
Melitta Schenk Gräfin
von Stauffenberg
Altes Schloss in Stuttgart